Wie Prana unser Leben bestimmt

Was ist diese feinstoffliche Lebensenergie? Wie beeinflusst sie unser Wohlbefinden und was können wir tun, um sie in Harmonie durch uns fließen zu lassen? Dieses alte yogische Wissen ist heute aktueller und wichtiger denn je! 


Prana - die uns innewohnende feinstoffliche Lebensenergie - und die Aktivität unseres Geistes stehen in direktem Zusammenhang. Wir wissen, dass sich Prana unter anderem durch unsere Atmung ausdrückt. Wenn die Atmung unregelmäßig und unruhig ist, so ist es in diesem Moment auch unsere feinstoffliche Lebensenergie. Da das Prana wiederum die Aktivität unseres Geistes steuert, ist dieser dann ebenfalls unruhig oder zerstreut. Prana kann somit als Vermittler zwischen Atmung und Geistesaktivität angesehen werden. Als Bindeglied, lässt sich unsere feinstoffliche Lebensenergie sowohl von der einen als auch von der anderen Seite beeinflussen.

Über die Praktiken des Hatha Yoga, insbesondere durch Pranayama, lernen wir unseren Atem zu kontrollieren und nehmen so bewusst Einfluss auf unser Prana. Atmen wir beispielsweise in einer aufregenden Situation bewusst ein paar Mal tief in den Bauch, spüren wir wie die Aufregung sich langsam legt und wir ruhiger und zentrierter werden. Wir können auch wahrnehmen, wie unser Geist wieder klarer wird und es uns leichter fällt mit der Situation umzugehen.

Vers 2 des zweiten Kapitels der Hatha Yoga Pradipika sagt, dass der Yogi die ‘Luft zurückhalten‘ soll, damit er ‘beständig‘ wird, also die Fähigkeit erlangt, seinen Geist zu kontrollieren. Mit ‘Luft zurückhalten‘ ist jedoch kein krampfhaftes Luftanhalten gemeint, sondern der natürliche Moment der Atemstille – Kumbhaka – zwischen Ein- und Ausatmung. (Krampfhaftes Luftanhalten würde zu weiteren Blockaden führen, die zu vermehrter Unruhe des Pranaflusses führen.)

Laut Hatha Yoga Pradipika bringt also Kumbhaka die Energien zum Stillstand und somit auch die vrttis - unsere Gedankenwellen - die auch nichts anderes als eine bestimmte Form von Energie sind. Die Gedanken verschwinden, der Geist wird still und der Wahrnehmende ruht in seinem wahren Selbst.

Mit fortschreitender Meisterung von Hatha Yoga dehnt sich die Phase der Atemstille auf ganz natürliche Art und Weise aus. So ist es wahrscheinlich, dass der Übende der gerade mit Yoga begonnen hat kurze Momente dieser Gedankenstille erfährt. Vielleicht dauern diese Momente anfangs nur wenige Millisekunden oder Sekunden. Manchmal stellt sich Kumbhaka auch nach dem Üben von Nadi Shodana – Wechselatmung, ‘Reinigung der Nadis‘ - von ganz alleine ein. Bei regelmäßiger Yogapraxis werden sich diese Momente langsam ausdehnen.

Ein Yogi der Raja Yoga übt, also durch Meditation lernt seinen Geist zu kontrollieren, ist in der Lage sein Prana über die Kraft seiner Gedanken zu steuern. Ein ruhiger, fokussierter Geist beruhigt das Prana und ein Mensch in solch einem Geisteszustand wird ruhig und gleichmäßig atmen. Ein aufgewühlter Geist mit vielen Gedanken, Sorgen und Ängsten baut Blockaden in den Nadis – unseren feinstofflichen Energiekanälen, durch die das Prana fließt – auf. Prana kann nicht mehr gleichmäßig durch die Nadis fließen und der Mensch wird einen unregelmäßigen, beklemmenden oder flachen Atem wahrnehmen können.

Für die meisten Menschen ist es sehr schwer ihren Geist zu kontrollieren und ihnen wird der Zugang über Hatha Yoga leichter fallen. Hatha Yoga ist somit auch ein Weg, um Raja Yoga und letztendlich die Selbstverwirklichung zu erreichen, beziehungsweise den Körper darauf vorzubereiten Raja Yoga üben zu können.