Die Unperfektheit der Heiler-Persönlichkeit

Lichtbringer – zwischen Leuchten und Zweifeln. Warum kann man oft anderen helfen aber kommt bei sich selber trotzdem nicht weiter? 


In diesem Blog Beitrag möchte ich meine Gedanken zu einem Thema mit euch teilen, dass mich selber lange davon abgehalten hat in meine eigene Kraft zu finden.

 

Heiler und spirituelle Lehrer haben auf mich schon immer eine besondere Faszination ausgeübt mit ihren Fähigkeiten und der besonderen Ausstrahlung. Ich kann mich auch glücklich schätzen einigen solcher Menschen in meinem Leben persönlich begegnet zu sein. Diese Menschen sprühen so eine positive Energie und Licht um sich, dass ich immer gerne davon ausging, sie müssten frei von Problemen und Anhaftungen sein. Wenn ich diese Personen dann über einen längeren Zeitraum beobachte, stellte sich immer (!) heraus, dass sie zwar auf jeden Fall große Lichtbringer sind und möglicherweise auch tatsächlich außergewöhnliche Fähigkeiten besitzen, aber bei weitem keine perfekten (was ist schon perfekt?) Menschen sind. Und mehr noch. Ich stellte fest, dass einige von ihnen sogar sehr große innere Probleme mit sich herum tragen. Ich fragte mich wie sie trotzdem so vielen Menschen helfen und Trost spenden können?

Warum kann man oft anderen helfen aber kommt bei sich selber nicht weiter?

Wenn ich in der Lage bin andere Menschen durch ihre Blockaden hindurch zu führen, dann muss ich das doch auch mit mir selber tun können, oder? Oft klappte dies auch und mein Ego freute sich in fast schon größenwahnsinniger Weise darüber, denn es löste das trügerische Gefühl in mir aus, dass ich von nun an alles bei mir selber heilen kann und keinen Arzt oder Heiler mehr benötigte. Doch Themen kamen auf, wo dieses Vorgehen nicht mehr funktionierte… und jedes Mal, wenn ich bei dem Versuch meine eigenen inneren Verspannungen zu lösen scheiterte, zweifelte ich sofort daran anderen überhaupt helfen zu können und verteufelte den Ruf meiner Seele Heilungen in die Welt bringen zu wollen. Es war ein langer Ego-Krampf der auf einem Glaubenssatz beruhte, welcher mir suggerierte, dass Heiler quasi allmächtig sein müssen und mein Unverständnis darüber, dass es sowas wie den eigenen blinden Fleck gibt!

Heute nehme ich oft und gerne die Hilfe meiner Kollegen in Anspruch, denn ich weiß, dass es immer einfacher ist den Weg der Heilung für andere Menschen zu sehen als für sich selbst. Gerade bei den ‘großen Brocken‘. Das gilt selbst dann, wenn man einen ganzen Umzugswagen voller Heil-Techniken im Haus hat und sogenannte übersinnliche Fähigkeiten (die nicht wirklich außergewöhnlich sind, aber dazu in einem anderen Beitrag)!

Ich habe sogar festgestellt, dass viele der kraftvollsten Heiltechniken die ich kenne bei anderen nahezu immer funktionieren, bei mir selber aber nur manchmal. Warum?

Etwas in mir behindert die Heilung und dieses etwas ist mein blinder Fleck. Der Teil in mir, den ich anzuschauen von alleine nicht bereit bin und einen kleinen Motivationsschupser von einem liebevollen Lehrer brauche. Genauso, wie es hilfreich ist einen motivierenden Fitnesstrainer an seiner Seite zu wissen, der sieht, dass eigentlich noch mehr geht, nur dein innerer Schweinehund (oder dein Ego, deine Angst,…) gerade dichtmacht. Oder aber einen guten Freund an der Seite zu haben, der dir aufhilft weil du hingefallen bist und gerade keine Kraft hast alleine wieder aufzustehen...

Im Yoga heißt es so schön: Je weiter der Schüler auf dem spirituellen Weg fortschreitet, desto subtiler wird der Ausdruck des Egos oder die eigenen inneren Blockaden. Logischerweise werden diese dann auch immer schwerer zu erkennen und ein Guru (jemand, der das Licht in die Dunkelheit bringt) wird benötigt, um diese zu sehen und dann auch auflösen zu können. (Ich teile nicht die allgemein verbreitete indische Auffassung, dass es im Leben nur einen Guru geben darf, dem man bedingungslos folgen sollte..., aber ich kann sehr wohl die Notwendigkeit sehen, an bestimmten Punkten Hilfestellung, Verbundenheit und Führung von außen zu benötigen.) 

Und es ist gut, dass die Welt genauso funktioniert! Denn könnten wir alles alleine machen, wie sähe es dann mit der Demut aus? Der liebevollen Verbundenheit mit anderen Seelen? Wir wären einsame Riesen-Egos... Oder nicht? 

In dem Sinne möchte ich mich selber und alle großen und kleinen Lichtbringer da draußen daran erinnern, dass unser Licht dazu gedacht ist, die Welt ein kleines bisschen leichter zu machen und wir dafür nicht perfekt sein müssen! Anders ausgedrückt: Wir sind immer perfekt so wie wir sind, denn wir alle sind vollerleuchtete Seelen, die sich dazu entschiedenen haben in diesem begrenzten physischen Körpern eine menschliche Erfahrung zu machen...  

Namaste =)