Es gab auf meinem Weg viele Momente, in denen spirituelle Kraft mir nicht nur lichtvoll oder schön erschien, sondern auch beängstigend. Nicht, weil diese Kraft „negativ“ gewesen wäre, sondern weil sie begonnen hatte, wirklich alles in Bewegung zu bringen. Das verstand ich nicht immer.
Spirituelle Energieprozesse und der bewusste Aufbau von Energie sind ein wichtiger Teil der inneren Entwicklung. Je mehr Energie sich in unserem System aufbaut, desto schneller beginnt oft auch der innere Reinigungsprozess. Und dieser Prozess ist nicht nur lichtvoll und angenehm. Er ist beides: getragen von segensreicher Energie, tiefem Frieden und glückseligen Zuständen und gleichzeitig von Phasen, in denen unsere Schatten an die Oberfläche kommen.
Gerade diese Phasen können zutiefst verunsichern und haben mich in den letzten 20 Jahren so ziemlich alles und jeden hinterfragen lassen.
Ich erinnere mich daran, wie meine Mantra-Praxis und andere Energieprozesse mich zeitweise so tief in die Konfrontation mit meinen eigenen Schatten geführt haben, dass ich ernsthaft daran zweifelte, ob mir diese Praxis wirklich hilft oder alles nur noch schlimmer macht. Alte Ängste, verdrängte Gefühle, innere Unruhe… Dinge, von denen ich dachte, sie längst überwunden zu haben oder von denen ich gar nicht wusste, dass sie unter der Oberfläche meines Bewusstseins schlummerten, wurden plötzlich mit voller Intensität spürbar.
Und doch geschah nach jeder Phase der Konfrontation etwas Entscheidendes: Klärung. Befreiung. Ein neuer Bewusstseinszustand, der stabiler, freudvoller und weiser war als zuvor.
Ich beschreibe es gerne so: Nach jeder aufgelösten Schattenschicht gelangen wir in einen höher schwingenden Grundzustand. Das bedeutet nicht, dass das Leben plötzlich perfekt wird oder nie wieder Herausforderungen auftauchen. Aber auf längere Sicht wird das gesamte System klarer, stabiler und friedvoller. Es wird immer leichter den Herausforderungen zu begegnen. Das Leben beginnt anders zu fließen. Wirkliche innere Ruhe, Frieden und Stabilität entstehen langfristig durch bewusstes Hindurchgehen.
Während man mitten im Tal steht, können die Zweifel allerdings riesig sein. So groß, dass man am liebsten weglaufen möchte. Doch wenn man später wieder auf dem Gipfel steht, erkennt man plötzlich den unendlichen Segen und die Kraft hinter dem Prozess. Dann wird sichtbar, dass genau das, was sich zwischenzeitlich schwer oder seltsam angefühlt hat, oft der Schlüssel zur nächsten inneren Öffnung war.
Auf meinem ganz persönlichen Weg war ich unzählige Male genau an diesem Punkt. Der Zweifler wurde groß. Ich habe wirklich alles hinterfragt: die Praxis, meinen Weg, meine Wahrnehmung, mein Weltbild und manchmal sogar meinen Verstand. Ich habe gebetet, geweint und Nächte wachgelegen. Doch immer wieder kam irgendwann der Moment, an dem ich die nächste Bewusstseinsstufe erreicht hatte, den Prozess vollständig durchlebt und als innere Erfahrung verstanden hatte. Dann wurde plötzlich klar, warum alles genau so gewesen war und nicht anders hätte sein können.
Als ich Mitte dreißig war, kam schließlich ein Punkt, an dem der Zweifler still wurde und bisher auch still geblieben ist. Nicht, weil es keine Herausforderungen mehr gäbe, sondern weil etwas in mir gelernt hat, dem Prozess vollkommen zu vertrauen. Weil ich immer wieder erfahren durfte, dass hinter jeder tiefen Erschütterung letztlich Wachstum, Befreiung und mehr Bewusstsein lagen. Je tiefer das Tal, desto größer oft auch das Energiepotenzial, das dadurch befreit wird und anschließend als lichtvolle Kraft in uns leuchtet.
Ich erinnere mich auch noch gut an meinen ersten Besuch in einem Yoga-Ashram. Im ersten Moment fühlte sich alles seltsam an. Etwas in mir wollte sofort wieder gehen, und ich wusste nicht, ob dieser Ort mir wirklich guttat. Damals sagte jemand zu mir, ich solle mindestens drei Tage bleiben, bevor ich entscheide, ob es mir entspricht oder nicht. Denn die ersten drei Tage sind oft die intensivsten in der Reinigung und genau das kann unsere Wahrnehmung dessen, was uns langfristig guttut, zunächst verzerren.
Heute verstehe ich genau, was damit gemeint war. Sobald wir in ein starkes Energiefeld eintreten, beginnt unser System darauf zu reagieren. Alles verdichtet sich. Gefühle, innere Spannungen, Widerstände und unbewusste Themen können plötzlich viel stärker spürbar werden. Für manche fühlt sich das zunächst befreiend an, für andere eher irritierend oder überwältigend. Doch oft ist genau das bereits Teil des Prozesses.
Nicht alles, was sich intensiv anfühlt, ist falsch. Nicht alles, was Unruhe auslöst, ist negativ. Manchmal ist es genau die Energie, die uns gerade weiterbringt und ein großes Licht in sich trägt.
Ich beobachte das auch immer wieder bei Menschen, die zu uns ins SoulPath'Blessing LiCHTZENTRUM und insbesondere in den Licht-Tempel kommen und dort mit einer sehr hohen Schwingung in Kontakt geraten. Die Reaktionen darauf sind völlig unterschiedlich. Manche Menschen sind sofort zutiefst berührt, beginnen zu strahlen oder fallen in einen Zustand tiefer Glückseligkeit. Andere brechen plötzlich in Tränen aus, ohne genau erklären zu können warum. Wieder andere verspüren starke innere Unruhe oder das Bedürfnis, sofort wieder gehen zu müssen.
All diese Reaktionen sind verständlich. Denn hohe Schwingung verstärkt und beschleunigt Prozesse. Sie bringt das, was bereits im Menschen angelegt ist, stärker an die Oberfläche. Wenn viel Offenheit und Hingabe da sind, kann das als Liebe, Frieden und tiefe Erinnerung erfahren werden. Wenn jedoch noch viele unverarbeitete Ängste, Spannungen oder unbewusste Schatten an die Oberfläche drängen, dann beginnt genau das sich zu zeigen.
Das Licht wirkt wie ein Verstärker. Es macht sichtbar, was gesehen werden möchte. Und genau deshalb kann hohe spirituelle Energie gleichzeitig wunderschön und herausfordernd sein. Sie fordert uns auf, ehrlich zu uns selbst zu sein und uns authentisch und manchmal auch verletzlich zu zeigen, um wirklich frei zu werden.
Denn Licht bringt Schatten aus dem Unterbewusstsein an die Oberfläche. Und solange diese Schatten noch nicht vollständig erkannt, gefühlt und integriert sind, kann das Licht in uns zunächst Unruhe auslösen: subtile Ängste, Druck im System, das Gefühl fliehen zu wollen oder sich selbst zu verlieren.
Doch wenn wir bleiben… wenn wir lernen, dem Prozess zu vertrauen, unserer Seele zu vertrauen und nicht bei jeder aufsteigenden Angst sofort zurückzuweichen… wenn wir nicht jede aufsteigende Träne unterdrücken wollen, sondern fühlen, zulassen, fließen lassen und willkommen heißen, was auch immer sich zeigen möchte mit der neutralen Beobachterhaltung eines Yogis wahrnehmen, dann beginnen Wunder zu geschehen.
Dann verwandelt sich der innere Kampf langsam in Hingabe und unser Herz beginnt sich zu öffnen. In die bedingungslose Liebe, in unendliches Mitgefühl mit uns selbst und anderen und ein unerschütterliches Vertrauen in die höhere Führung und die Kraft unserer Seele. Aus der Angst vor spiritueller Kraft wird irgendwann das tiefe Wissen, dass genau diese Kraft uns nach Hause führt, in die Wahrhaftigkeit, Präsenz und Liebe.

Kommentar schreiben